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„Hört mal, so geht das nicht!"
Wir brauchen gar nicht erst lange darüber zu diskutieren – die Situation des Schiedsrichterwesens ist auch im Bezirk Bodensee auf einem Stand angekommen, den man höflich umschrieben als „unterirdisch" bezeichnenmuss.
Man könnte härtere Ausdrücke verwenden, unberechtigt wäre es nicht, aber es gehört sich nicht.
 
„Werte Sportfreunde, über einen langen Zeitraum konnte die SRVereinigung Bodensee trotz stark zunehmendem Aufwand die Besetzung aller Jugendspiele mit amtlichen Schiedsrichtern gewährleisten, während andere Bezirke schon Abstriche machen mussten. Zuletzt mussten aber auch wir die ersten Staffeln aus der Besetzung nehmen, umso mehr, als allein in den letzten zwölf Monaten die Zahl der Schiedsrichter bei uns um etwa zehn Prozent gesunken ist. Jetzt ist es soweit – die „goldenen Zeiten" sind auch im Bezirk Bodensee endgültig vorbei! Bei den Juniorenstaffeln auf Bezirksebene, also unterhalb der Landesliga, ist nicht mehr gewährleistet, dass zu jedem Spiel auch tatsächlich ein Verbandsschiedsrichter kommt."
 
Nein, das ist keine neue Erkenntnis. Mit diesem Anschreiben versuchte Bezirks-SR-Obmann Harry Ehing bereits im Herbst 2017 die Vereine auf die großen Lücken bei den Spielleitern einzustellen. Dies immer verbunden mit der Hoffnung, dass die Vereine alles daran setzen werden, einerseits den Neulingslehrgang voll zu besetzen, um mehr Unparteiische ausbilden zu lassen. Andererseits bestand zumindest im Hinterkopf der Schiedsrichter-Verantwortlichen die leise Hoffnung, auf den Sportplätzen könnte sich das Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern und deren Wertschätzung wenigstens ein wenig verbessern. Ein Jahr später lässt sich feststellen, dass sich wirklich manches geändert hat – es wurde aber nicht besser!
Im Moment ist die Lage so, dass in der Kreisliga C jederzeit damit zu rechnen ist, dass kein Schiedsrichter zum Spiel kommt. Das Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht – die Clubs müssen sich darauf einstellen, einzelne Begegnungen in der Kreisliga B ebenfalls selbst übernehmen zu müssen. Damit wir uns richtig verstehen: Dies ist keine Drohung, sondern eine fast schon resignierende Nennung von Fakten!
 
Was sich allein in den letzten Wochen auf den hiesigen Sportplätzen abspielte, spottet ohnehin schon jeder Beschreibung. Bei einem Spielabbruch der Kreisliga B rechtfertigte der Verein die Attacke auf den eingesetzten Landesliga-Schiedsrichter, dieser habe die Lebensrettung eines bewusstlosen Spielers behindern wollen. Bei einem Spielabbruch in der Kreisliga A sah sich ein Spieler wohl berechtigt, den Ball mit Wucht einem gegnerischen Spieler an den Körper zu dreschen und dann nach dem Platzverweis den Schiedsrichter gegen die Brust zu stoßen. Grund: der Unparteiische erkannte auf Tor und der Spieler wollte das nicht akzeptieren. Schon eher in die Rubrik „Damit kann man leben" gehört da ein weiterer Spielabbruch in der Kreisliga B, bei dem die Spieler innerhalb ihrer Mannschaft (!) die Argumente nach einem Eigentor körperlich austauschten. Ihrem späteren Wunsch, das Spiel fortzusetzen, weil jetzt ja wieder alles gut war, schloss sich der Schiedsrichter berechtigt nicht an. Nicht zu vergessen auch jener Spieler, der vor dem jugendlichen Unparteiischen die Hosen runter ließ, verbunden mit einer widerlichen Aufforderung. Er kann jetzt längere Zeit über sein Glück nachdenken, dass sein Verhalten nur sportrechtliche Folgen hatte.
 
Trotz all diesen widrigen Umständen sollte man dem Fußballsport aber nicht abschwören, sondern sich Gedanken machen, die Umstände erträglicher zu machen. Sicher ist, dass ein Großteil dieser Aufgaben von den Vereinen erledigt werden muss. „Der Verband" kann letztendlich nur dann reagieren, wenn das Kind schon im Brunnen liegt, und mit Sanktionen zu Werke gehen. Auf ihre Spieler und Zuschauer einzuwirken, diese Möglichkeit haben lediglich die Vereine. Hier müssen die Vorstände mit Engagement entgegenwirken, wenn auf den Plätzen ein nicht zu duldendes Verhalten festzustellen ist. Dann muss eben auch mal ein Mitglied Sportplatzverbot erhalten – früher hatte jeder Verein schon am Eingang ein Schild angebracht: „Wer den Schiedsrichter beschimpft oder beleidigt, wird vom Sportplatz verwiesen!" Und wenn ein Spieler oder Trainer in den Kreisligen sich beschwert, der Schiedsrichter sei schwach gewesen, dem wünsche ich kommentarlos einen großen Spiegel.
 
Man darf aber bei allem Zorn über irgendwelche Vorkommnisse nicht vergessen, dass die allermeisten Fußballspiele „normal" laufen. Jeder hat schon mal über den vom Schiedsrichter nicht gegebenen Strafstoß gemeckert, jeder hat schon mal den Stürmer wegen der „furchtbar versemmelten" Chance ausgelacht. Das gehört einfach zum Fußball dazu. Man sollte aber stets wissen, wo die Grenzen des Anstands liegen. Beleidigungen und Bedrohungen darf man nicht dulden, körperliche Angriffe sind absolut nicht hinnehmbar.
 
„Kaputtmacher" gibt es im Fußball wie überall im Leben genug. Wer für den Fußball einsteht, der muss dem Trend entgegenwirken. Einfach verlegen zu grinsen und sich innerlich mit faulen Ausreden zu beruhigen, ist billig und hilft niemand. Wer Zeuge unsportlichen Verhaltens wird, der muss sich auch mal zu Wort melden:
„Hört mal, so geht das nicht!"

Karl-Heinz Arnold | Fußball am Bodensee
 
 
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